Zwischen Zinsstabilität und Zollpause – Märkte im Balanceakt

  • Anhaltender Aufholprozess an den internationalen Börsen
  • US-Inflation auf niedrigstem Stand seit 4 Jahren nahe Ziel-Niveau
  • USA verlängert Aussetzung der Strafzölle für EU-Waren bis Juli  

Die nach dem „Zoll-Schock“ Anfang April einsetzende Erholung an den Aktienmärkten konnte sich im Mai fortsetzen, auch wenn es zwischenzeitlich unter den Anlegern immer wieder zu einem Aufleben der Nervosität kam. Auslöser solcher kurzen Rücksetzer waren nicht nur Äußerungen oder überraschende Ankündigungen von Donald Trump im schwelenden Zoll-Streit, sondern auch die Absenkung der US-Bonität durch die letzte der drei großen Rating-Agenturen.

So wie bereits S&P im Jahre 2011 und Fitch 2023 hat nun auch Moody´s die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten um eine Stufe von der „Bestnote“ herabgesetzt. Damit verliert die größte Volkswirtschaft der Welt zum dritten Mal das Spitzen-Rating, was angesichts der ausufernden Verschuldung jedoch erwartbar war. Auch wenn dies unmittelbar keine allzu großen Auswirkungen auf den Anleihenmarkt hatte, verbleibt zumindest die Symbol-Kraft, dass die Bonität der USA nicht mehr über jeden Zweifel erhaben ist.

Neben dem absoluten Ausmaß der Staatsschulden und der damit verbundenen Zinslast ist es vor allem das drastisch anwachsende Missverhältnis der Schulden zur Wirtschaftsleistung, das sich bis 2035 laut Schätzungen auf mehr als 130 Prozent belaufen dürfte, was aus Sicht von Moody´s als besorgniserregend zu werten ist. Jede Herabstufung der Kreditwürdigkeit verschlechtert bekanntlich die Konditionen zulasten des Schuldners, der somit für die Aufnahme neuer Schulden immer höhere Zinsen zu bezahlen hat. Werden somit nicht bald entscheidende Schritte zur Eindämmung des Haushaltsdefizits eingeleitet, würde dies in Zukunft für die USA bedeuten, dass weitere „Downgrades“ drohen.
 

Positive Gewinnzahlen der US-Unternehmen im ersten Quartal

 
Was den Aktienmarkt anbelangt, so zeigt die Berichtssaison in den Vereinigten Staaten für das 1. Quartal ein insgesamt positives Umfeld, bei der die Mehrzahl der Unternehmen mit Gewinnüberraschungen überzeugen konnten. Insgesamt betrug das Gewinnwachstum gegenüber dem Vorjahr rund zwölf Prozent. Ungeachtet dieser guten Zahlen bleiben die Gesellschaften und Marktanalysten jedoch hinsichtlich der weiteren Geschäftsentwicklung etwas zurückhaltend, da der laufendende Zoll-Konflikt, vor allem mit der EU, seriöse Vorhersagen erschwert.   

Sollte sich in den kommenden Wochen keine Einigung im Handelsstreit einstellen, ist durch das gegenseitige Verhängen von Strafzöllen sowohl für die USA als auch Europa mit Einbußen zu rechnen, was sich dann deutlich im Rückgang der Umsatz- und Gewinnzahlen vieler Unternehmen manifestieren wird. Zumindest wurde seitens der Trump-Administration eine Aussetzung von Strafzöllen bis Juli bekanntgegeben, womit die für 1. Juni geplanten Zölle auf Waren-Importe aus der EU aufgeschoben werden.
 

Börsen-Dynamik nach Kurseinbruch im April

 
Die starke Erholungsphase nach dem „Sell-off“ von Anfang April zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, nicht in Panik zu verfallen, sondern an erstklassigen Titeln festzuhalten und die Möglichkeit zu nutzen, antizyklische Nachkäufe zu tätigen. Verkaufswellen dieser Art treten immer wieder an den Märkten auf, bei denen grundsätzlich alle Titel quer über alle Branchen abverkauft werden.

Panik war niemals ein guter „Ratgeber“, sondern zeugt von emotionalisiertem und irrationalem Verhalten, das grundsätzlich „an der Börse nichts zu suchen“ hat. Die Marktbewegungen sind gerade in einem solchen, politisch geprägten Umfeld nicht berechenbar, denn jede Nachricht, jedes Statement kann unmittelbar heftige Reaktionen auslösen. Davon zeugt auch das alte Sprichwort, dass „politische Börsen kurze Beine haben“; eine simple und klare Beschreibung der Situation der letzten Wochen.

Das Vertrauen in die Sicherheit der Weltwirtschaft und die Qualität der gehaltenen Werte sollte das Handeln bestimmen, nicht unüberlegte Reaktionen, basierend auf Schlagzeilen und Vermutungen. Ein Blick in die Vergangenheit hat stets gezeigt, dass Ruhe und Gelassenheit für den Börsenerfolg von entscheidender Bedeutung sind. Verkäufe aus Stress oder Angst haben sich in diesem Kontext immer als Fehler erwiesen, da sich die Aktienmärkte regelmäßig erholt haben, um danach wieder neue Höchst-Stände zu erklimmen.  
 

Leitzinsen in den USA unverändert

 
Nach dem unerwarteten Rückgang der amerikanischen Wirtschaftsleistung im 1. Quartal um 0,3 Prozent deuten die neuesten Daten für das laufende Quartal auf ein Wiedererstarken der Konjunktur im Bereich von etwa 2,4 Prozent. Selbst unter der Annahme eines ausbrechenden Zoll-Konflikts sollte sich damit für das Gesamtjahr ein positives Wachstum des US-BIPs ergeben.

Die Ängste vor einer möglichen Rezession, die selbst von renommierten Ökonomen zeitweise mit einer Wahrscheinlichkeit von 40 bis 50 Prozent angenommen wurde, dürften folglich etwas zu ausgeprägt gewesen sein. Dies zeigen auch die aktuellen Zahlen zur Arbeitslosigkeit, die nach wie vor bei knapp über vier Prozent liegt und somit als Vollbeschäftigung zu sehen ist.  

Was die Inflation betrifft, so fiel die Teuerung im April mit 2,3 Prozent auf den niedrigsten Wert seit mittlerweile vier Jahren, womit die Ziel-Inflation in Höhe von zwei Prozent beinahe erreicht wurde. Dies war auch der Grund, warum die Federal Reserve keinen Anlass gesehen hat, ihren geldpolitischen Kurs zu ändern. Nach drei Zinssenkungen im letzten Jahr verblieben daher die Leitzinsen im Rahmen der Notenbank-Sitzung vom 7. Mai weiterhin auf dem bestehenden Niveau.

Damit hat die Fed ihre politische Unabhängigkeit entgegen den Forderungen von Donald Trump nach sinkenden Zinsen unterstrichen. Für den weiteren Zinsverlauf werden in erster Linie die Inflationsdaten der kommenden Monate relevant sein, die wiederum maßgeblich von den wirtschaftspolitischen Entscheidungen der US-Regierung im Zusammenhang mit Import-Zöllen und etwaigen Gegen-Zöllen abhängen.

Aktienmärkte im Mai 2025
Im vergangenen Monat waren es vorrangig Technologie-Werte, die das Börsen-Momentum am stärksten nutzen konnten.

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