- Leichte Konsolidierung am Aktienmarkt vor US-Wahl
- Dritte Zinssenkung der EZB zur konjunkturellen Stimulierung
- Anhaltende Rallye: Gold erstmals über 2.700 US-Dollar
Ungeachtet der positiven Wirtschafts- und Unternehmensdaten haben die internationalen Aktienmärkte im abgelaufenen Monat leichte Korrekturen erfahren, die jedoch Dank der Aufwertung des US-Dollars für Euro-Investoren sogar zu einem Kursgewinn für US-Aktien geführt haben.
Bemerkenswert ist vor allem die anhaltend robuste Verfassung der amerikanischen Wirtschaft, deren Wachstum sich laut Schnellschätzung der Federal Reserve Bank von Atlanta für das 3. Quartal auf annualisiert 3,3 Prozent belaufen wird.
In Verbindung mit dem soliden Arbeitsmarkt und der rückläufigen Inflation stellt sich derzeit ein ungewöhnlich günstiges Anlage-Szenario dar, was unter anderem auch am Composite PMI (Purchasing Manager Index), dem umfassenden Einkaufsmanager-Index für den Dienstleistungssektor und die verarbeitende Industrie, abzulesen ist, der sich deutlich im expansiven Bereich befindet. Damit zeigt sich, dass die US-Unternehmen ein wachsendes Vertrauen in den langfristigen Konjunkturverlauf haben.
Was die Entwicklung der Leitzinsen in den USA als wichtigster Volkswirtschaft betrifft, so wird seitens der Marktteilnehmer nach der ersten vollzogenen Senkung im September bis zum Jahresende noch mit zwei weiteren Schritten nach unten gerechnet, was einen zusätzlichen Rückenwind für die US-Konjunktur bedeuten müsste. Der gegenwärtige Lockerungs-Zyklus durch die Federal Reserve sollte dann bis zum Sommer des kommenden Jahres abgeschlossen sein, womit die Geldpolitik wieder zu einer neutralen Steuerung umschwenken kann.
Die amerikanischen Unternehmen liefern in der aktuellen Berichts-Saison ein unverändert erfreuliches Bild. Die Mehrzahl der bis dato berichtenden Gesellschaften kann mit Gewinnüberraschungen aufwarten. Für den Gesamtmarkt geht der Analysten-Konsens von einem Gewinnwachstum in Höhe von etwa fünf Prozent aus, wobei die primären Treiber wie bisher die Sektoren Technologie und Kommunikationsdienstleistungen sind, gefolgt von Healthcare und Finanzwerten.
Auch erste Schätzungen für das bevorstehende Jahr zeichnen ein Bild steigender Gewinne, auch wenn sich durch die US-Wahl und den daraus resultierenden Rahmenbedingungen bestimmte Änderungen ergeben können. Durch den Sieg von Trump ist beispielsweise davon auszugehen, dass Sektoren wie Energie oder Banken 2025 als große Gewinner hervortreten werden. Hinsichtlich der Bewertung der amerikanischen Aktien ist anzumerken, dass der breite S&P 500-Index aufgrund seiner hohen Gewichtung der Technologie-Branche als relativ teuer einzuschätzen ist, was bis jetzt allerdings aufgrund der außergewöhnlichen Gewinn- und Umsatzentwicklung der betreffenden Unternehmen zu rechtfertigen war.
Der KI-Boom der vergangenen Quartale hat zudem begünstigend dazu beigetragen, dass die Bewertungen abermals angestiegen sind und sich somit auf einem Level befinden, der schlichtweg als „priced for perfection“ zu bezeichnen ist und in dem viel Euphorie eingepreist ist. So weist der Index aktuell ein Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der geschätzten Gewinne von über 21 auf, was gemessen am historischen Durchschnitt über 40 Jahre mit allen ökonomischen Höhen und Tiefen von knapp 16 als überdurchschnittlich zu betrachten ist.
Weitaus günstiger sind naturgemäß Value-Titel und Werte der Mid & Small Caps, die bei fallenden Zinsen ein entsprechendes Aufholpotenzial aufweisen. Wesentlich ist in diesem Kontext, dass die Kapitalzuflüsse bereits seit Monaten eine zunehmende Marktbreite signalisieren, die für den künftigen Börsenverlauf relevant ist. Solange nur gewisse dominante Titel oder Branchen wie die „Magnificent 7“ den Index nach oben ziehen, besteht für den Gesamtmarkt aufgrund der zum Teil überstrapazierten Bewertungen immer ein erhöhtes Korrektur-Risiko. Erst mit zunehmender Marktbreite kann von einem „gesunden“ Aufschwung gesprochen werden.
Auch Europa und besonders die Euro-Zone sind hinsichtlich der Bewertungen als empfehlenswert einzustufen. Das Kurs-Gewinnverhältnis des MSCI Europe auf Basis der erwarteten Gewinne beläuft sich im Moment auf etwas über 13, was die signifikante Unterbewertung zum US-Markt unterstreicht. Der Grund liegt in erster Linie darin, dass Europa nur über wenige Tech-Unternehmen verfügt, die seit 2023 im besonderen Fokus der Anleger gestanden sind. Europäische Gesellschaften sind zumeist dem Value- bzw. Substanzwert-Segment zuzuordnen, die zwar hohe Dividendenrenditen erbringen, aber für Growth-Investoren nur bedingt von Interesse sind. Durch das signifikant schwächere BIP-Wachstum Europas werden auch die prognostizierten Gewinne der gelisteten Unternehmen in Summe unter dem der amerikanischen Gesellschaften verbleiben.
Der nach wie vor bescheidene Konjunkturverlauf haben zusammen mit der klar gefallenen Inflation die EZB dazu veranlasst, Mitte Oktober die Leitzinsen für die Euro-Zone ein drittes Mal zu senken. Bis zum Jahresende wird sogar noch mit einer vierten Senkung gerechnet, was vorsichtigen Prognosen zufolge zu einem leichten konjunkturellen Aufschwung im kommenden Jahr führen sollte. Gemäß letzter Schätzung des Internationalen Währungsfonds dürfte sich die Wirtschaft der Euro-Zone 2025 auf immerhin 1,2 Prozent beschleunigen, was in Kombination mit noch weiter sinkenden Leitzinsen als Rückenwind für Aktien-Engagements zu sehen ist.
Goldpreis weiter im Steigen – erstmals über 2.700 US-Dollar
Das seit geraumer Zeit bestehende Momentum des Goldpreises, fundamental vorwiegend durch Zentralbank-Käufe verursacht, hievt den Wert des Edelmetalls derzeit von Monat zu Monat auf neue Höchst-Stände. So beträgt die Kurssteigerung seit Jahresbeginn per Ende Oktober mittlerweile mehr als 31 Prozent auf Dollar-Basis.
Mit den fallenden Leitzinsen könnte sich in absehbarer Zeit auch die Nachfrage privater Haushalte nach Gold verstärken, wenn „sichere“ Anlagen am Geldmarkt allmählich wieder unattraktiver werden.
Der anziehende Goldpreis hat zudem seit dem zweiten Quartal des heurigen Jahres zu einer Kurs-Rallye bei Goldminen-Aktien geführt, die lange durch die inflationsbedingt gestiegenen Kosten wenig ertragreich waren. Erst mit dem Erreichen gewisser Preisschwellen konnte sich der Gewinn der Goldproduzenten nahezu explosionsartig steigern.
Aktienmärkte im Oktober 2024
Die Präsidentenwahl in den USA hat im vergangenen Monat nur wenig Impulse für die Aktienmärkte gebracht, da Investoren kurz vor dem „Urnengang“ meist nur wenige taktische Änderungen vornehmen.
Die Korrekturen verliefen daher an den amerikanischen Börsen im unbedeutenden Bereich, lediglich in der Euro-Zone fielen diese etwas stärker aus.
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