Markt unter Druck: Wie Trumps Zolloffensive den globalen Kapitalfluss verändert

  • Erratische Zoll-Politik forciert Unsicherheit am Aktienmarkt
  • Internationale Investoren setzen verstärkt auf europäische Werte
  • Leitzins-Senkung der EZB im Kontext bevorstehender Handels-Konflikte
  • Einlagen-Zinssatz der Partner Bank unverändert bei 1,5%
Die bereits im März losgetretene Korrektur an den Aktienmärkten setzte sich angesichts der verschärften Zoll-Thematik bis zur Monatsmitte fort. Per 2. April, dramatisch von Trump als „Liberation Day“ bezeichnet, wurde eine umfassende Zoll-Offensive der Vereinigten Staaten gegen globale Handelspartner, allen voran China, ausgerufen.

Entgegen den Warnungen unzähliger Ökonomen soll damit das chronische Handelsbilanz-Defizit der USA durch ein groß angelegtes Regime an Import-Zöllen beendet werden. Hinter diesem protektionistischen Eingriff in das Welthandelssystem steht der gezielte Versuch der Trump-Administration, die eigene Wirtschaft und Industrie auf Kosten anderer Länder zu stärken.

Nach massiver Empörung, weltweiten Schlagzeilen sowie angedrohter Gegenzölle und einem deutlichen Absacken der Aktienkurse konnten sich die Märkte in Anbetracht einer möglichen Kompromissbereitschaft wieder stabilisieren und die Verluste bis zum Monatsende großteils ausgleichen. Wie stark die Angst der Investoren zwischenzeitlich war, zeigt sich am besten am viel beachteten Volatilitäts-Index des amerikanischen Aktienmarktes (VIX), der in seinen Ausschlägen die dritthöchste Spitze nach der Finanz- und Corona-Krise erreichte.  

Neben den wirtschaftlich nicht abzuschätzenden Folgen einer solch konfrontativen Handelspolitik bleibt vor allem bis auf weiteres die massive Unsicherheit, die belastend auf die Märkte wirkt. Selbst wenn die Regierung der USA in den kommenden Monaten gewisse Ausnahmen, Erleichterungen oder Rückstufungen bei der Höhe der Zölle vornimmt, ist auf alle Fälle mit steigenden Preisen bzw. steigender Inflation sowie rückläufigem Konsum zu rechnen, was sich mittlerweile auch schon im signifikanten Rückgang des Konsumentenvertrauens manifestiert.

Da die Konsumausgaben der US-Verbraucher immerhin für zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich sind, besteht somit die reale Gefahr einer Stagflation oder gar einer Rezession. In dieser Hinsicht sorgten auch die verbalen Übergriffe von Donald Trump auf den US-Notenbank-Chef Jerome Powell für zusätzliche Beunruhigung der Märkte, denn jeder Versuch politischer Vereinnahmung widerspricht dem klaren Grundsatz der Unabhängigkeit der Federal Reserve.

In Anbetracht der steigenden Inflationserwartungen ist seitens der Fed, entgegen der Forderung von Trump, im Moment mit keinen weiteren Zinssenkungen zu rechnen. Zusammenfassend kann daher aus makro-ökonomischer Perspektive gesagt werden, dass die Vermeidung jeder weiteren Eskalation im Zoll-Konflikt höchste Relevanz hat, sonst dürfte sich die Wahrscheinlichkeit einer Rezession im heurigen Jahr erheblich erhöhen.
 

Umschichtungsprozess in europäische Werte

 
Die sprunghafte und wenig vertrauensbildende Politik von Donald Trump hat viele Investoren zuletzt darin bestärkt, ihre Portfolios breiter zu diversifizieren. Erste Tendenzen dazu waren bereits Ende 2024 erkennbar, nachdem in einzelnen Bereichen und Sektoren der US-Börsen Anzeichen von Überbewertungen festzustellen waren.

Die Verlagerung in günstigere Titel, besonders nach Europa, ist folglich als sinnvolle antizyklische Maßnahme zur Nutzung bestehender Opportunitäten zu sehen. Die Bewertungen der europäischen Börsen liegen durch ihren weitgehenden Value-Charakter und der langen Vernachlässigung durch internationale Momentum-Investoren signifikant unter dem Niveau des US-Marktes.

Gemeint ist mit Umschichtungen aber nicht die generelle Abkehr von US-Werten, sondern nur die Berichtigung der allzu dominanten Gewichtung von US-Valoren, speziell aus dem Growth-Segment. Selbstverständlich bleibt eine Positionierung im amerikanischen Aktienmarkt alleine schon wegen seiner Größe und Marktkapitalisierung für langfristige Anleger unerlässlich, jedoch erscheint eine Re-Kalibrierung der US-Exposure gerade unter dem aktuellen Aspekt der politischen Unwägbarkeiten durchaus verständlich und zielführend.

Zumindest sind dies die Argumente vieler Investoren, die gerade große Bestände von Aktien, aber auch Staatsanleihen umschichten. Allerdings gesellt sich noch das schwindende Vertrauen in die Sicherheit und Verlässlichkeit des US-Marktes hinzu, was seit Februar an der deutlichen Abwertung des Dollars zum Euro ersichtlich ist.

Tatsache ist, dass das „Standing“ der USA durch das fast chaotisch wirkende Agieren der Trump-Administration gehörig in Mitleidenschaft gezogen wurde, was unter Umständen langfristige Negativ-Effekte haben kann, denn ein Blick auf die Gläubigerstruktur der Vereinigten Staaten zeigt, wie abhängig der Wohlstand des Landes von der stetig wachsenden Staatsverschuldung ist.

Nach Japan ist China mit mehr als 760 Milliarden US-Dollar der zweitgrößte Halter von US-Staatspapieren, dem bis dato sichersten Wertpapier der Welt. Würde es nun im Zuge eines sich verschärfenden Handels-Krieges zu einem verstärkten Abstoßen von Treasury Bonds kommen, hätte dies nicht nur nachhaltige Auswirkungen auf die Bonität der USA, sondern auch dramatisch steigende Zinsen mit einer immensen Ausweitung der Verschuldung zur Folge.  
 

EZB senkt zum siebenten Mal die Leitzinsen

 
Der begonnene Zoll-Diskurs betrifft natürlich auch die Europäische Union, deren konjunkturelle Entwicklung in erheblichem Maße von den verhängten Zöllen und Gegenzöllen abhängt. Mit einer neuerlichen Absenkung der Leitzinsen um 25 Basispunkten auf 2,25 Prozent will daher die EZB entsprechend gegensteuern, um den Gefahren einer möglichen Stagflation entgegenzuwirken.  

Weitere Schritte nach unten sind in den kommenden Monaten unter den gegebenen Rahmenbedingungen als sehr realistisch einzuschätzen, denn die gedämpften Wachstumsaussichten erfordern seitens der Notenbank ein entschiedenes Vorgehen, zumal sich die Teuerung in der EU zufriedenstellend zurückgebildet hat (März 2025: 2,2%).
 

Partner Bank behält Zinssatz bei 1,5%

 
Entgegen dem vorgegebenen Trend der EZB behält die Partner Bank den Zinssatz für Einlagenkonten unverändert bei 1,5 Prozent und bietet daher eine äußerst attraktive Verzinsung für liquide Mittel.

Aktienmärkte im April 2025

Die erneuten, bis zur Monatsmitte verlaufenden Korrekturen haben erwartungsgemäß Growth-Titel am stärksten getroffen. Im Zuge der angedeuteten Kompromiss-Bereitschaft der Trump-Regierung konnten sich die Märkte wieder erholen und ihre temporären Monatsverluste weitgehend kompensieren.  
 
Die laufende Berichts-Saison für das 1. Quartal offenbart speziell in den USA ein zwar reduziertes, aber dennoch positives Gewinnwachstum im Ausmaß von etwa sieben Prozent. Für das Gesamtjahr 2025 erfordern die gegenwärtigen Gewinnprognosen von zehn Prozent aber noch einen gewissen Revisionsbedarf

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