Gold im Höhenflug – Verunsicherung am Aktienmarkt

  • Verunsicherung am Aktienmarkt durch amerikanische Zoll-Politik
  • Gold im Höhenflug – Preis überspringt die Marke von 3.100 US-Dollar

Das erste Quartal des heurigen Jahres zeigt auf beeindruckende Weise, wie schnell sich die Stimmung an den Finanzmärkten innerhalb kürzester Zeit ändern kann. Mit der Wiederwahl von Donald Trump bildete sich gegen Ende des letzten Jahres eine Euphorie an den US-Börsen, beruhend auf erhofften De-Regulierungen und Steuererleichterungen, die ab Mitte Februar aber schrittweise von Befürchtungen hinsichtlich steigender Inflation und schwächerer Konjunktur abgelöst wurde.

Der Grund für diesen Umschwung ist in erster Linie in den schwierig einzuschätzenden Auswirkungen der konfrontativen Zoll-Politik zu finden, die das Vertrauen der Investoren untergraben und zu Gewinnmitnahmen geführt hat. Wie schon in den letzten beiden Marktberichten angedeutet, sind Import-Zölle stets mit Gegenreaktionen verbunden, die sich unter Umständen zu einem regelrechten Handels-Krieg mit ungeahnten Folgen für beide Seiten ausweiten können.

Daher herrscht aktuell bei vielen Unternehmen in den USA und Europa eine gewisse Unsicherheit, in welcher Form und Ausmaß solche Effekte eintreten, was sich logischerweise bremsend auf das Investitionsklima und das Wirtschaftswachstum auswirkt. Bis es in dieser Angelegenheit Klarheit gibt, können noch Wochen oder gar Monate vergehen, was die Märkte bis auf weiteres strapazieren dürfte, zumal bis dato wenig Bereitschaft der Trump-Aministration für Kompromisse und vertrauenswürdige Akzente in den politischen Handlungen zu erkennen ist. Tatsache ist, dass die erratische Wirtschaftspolitik der US-Regierung durchaus das Potenzial hat, die größte Volkswirtschaft in eine Rezession zu führen.

Zumindest wird von vielen namhaften Ökonomen mit einem deutlich geringeren Konjunkturanstieg für heuer gerechnet. Bewegten sich die Konsensus-Schätzungen zu Jahresbeginn noch im Bereich von etwas über zwei Prozent, so belaufen sich die aktuellen Wachstumsprognosen auf rund 1,7 Prozent. Selbst die Federal Reserve hat ihre diesbezüglichen Annahmen kürzlich nach unten revidiert. Auch wenn aus heutiger Sicht eine echte Rezession als unrealistisch erscheint, nimmt zumindest das Risiko einer Art Stagflation zu, bei der schwächelnde Konjunkturdaten auf eine erhöhte Inflation treffen, wovon auch die US-Notenbank ausgeht, die eine Teuerung zum Jahresende von 2,8 Prozent prognostiziert, was dem gegenwärtigen Niveau entsprechen würde.

Damit würde im laufenden Jahr die angestrebte Reduktion der Inflation auf das Ziel-Niveau von zwei Prozent nicht mehr erreicht werden, womit auch keine weiteren Zinssenkungen zur Marktunterstützung zu erwarten wären. So gesehen könnte sich bei einem tatsächlich eintretenden Handels-Krieg die Wirtschaft noch stärker eintrüben und das vorhin beschriebene Stagflations-Szenario durchaus bis zum Herbst Realität werden. Bemerkenswert ist auch der abrupte Rückgang des Konsumentenvertrauens, ein Stimmungs-Indikator für die wirtschaftliche Verfassung des Landes, da der Privatkonsum in den USA immerhin 70 Prozent der Wertschöpfung ausmacht.

Halten sich die Verbraucher zurück, führt dies unweigerlich zu einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung. So positiv dieser Indikator im Dezember noch war, so schnell hat sich die Gemütslage der Verbraucher durch die widersprüchlichen Äußerungen und Handlungen von Trump gedreht. Maßgeblich ist in diesem Zusammenhang weniger die momentane Ausgangssituation als vielmehr die Erwartungshaltung der Konsumenten an die Zukunft. Dazu kommt noch die rigorose Spar-Politik in der Verwaltung, die zu einem Abbau unzähliger Beamten-Jobs geführt hat, was ebenfalls für die Konsumlaune wenig unterstützend wirkt.

Notwendige Bewertungs-Korrektur an den Aktienmärkten

Was Mitte Februar als Umschichtungsprozess von teuren US-Aktien, speziell aus dem Growth-Segment, in vergleichsweise günstige europäische Titel begann, weitete sich im März zu einer Korrektur aus, die am Ende auch die Börsen in Europa erfasst hat. Wie mehrfach erwähnt, haben die amerikanischen Tech-Giganten, oft als „Magnificent 7“ bezeichnet, den US-Markt seit längerer Zeit bewertungstechnisch verzerrt. Durch ihre dominante Kapitalisierung in Höhe eines Drittels übertrug sich ihr überdurchschnittlich hohes Bewertungs-Niveau von mehr als 30 (KGV auf Basis der geschätzten Gewinne) automatisch auf den Gesamtmarkt, wodurch früher oder später mit einer erforderlichen Korrektur zu rechnen war.

Im Grunde könnte man sagen, dass Investoren nur auf den richtigen Zeitpunkt und Auslöser für allgemeine Gewinnmitnahmen gewartet haben, was in diesem Fall eben die Handelspolitik von Donald Trump war. Marktbereinigungen wie diese kommen immer wieder vor und sind für den weiteren Börsenverlauf als Phase der Beruhigung und Konsolidierung als unerlässlich zu betrachten. Die Korrektur hat vorrangig Growth-Titel getroffen, die besonders in den vergangenen beiden Jahren durch den Hype um das Thema Künstliche Intelligenz eine signifikante Out-Performance gegenüber Value-Werten erzielt haben.

Zuletzt kam es dadurch zu einer immensen Bewertungs-Diskrepanz zwischen Wachstums- und Substanz-Aktien, die in ihrer Dimension fast schon als historisch zu bezeichnen war. Mit der Ernüchterung bezüglich der Monetarisierung von KI-Anwendungen erkannten dann mehr und mehr Investoren, dass die überzogenen Bewertungen auf Dauer nicht mehr haltbar waren und ein Rückgang der Evaluierungen unweigerlich stattfinden musste. Da europäische Aktien mit ihrem weitgehenden Value-Charakter eine geringe Tech- und KI-Exposure aufweisen, bestand auch hier ein geringerer Abgabedruck. In fundamentaler Hinsicht lässt sich momentan wenig zur weiteren Kursentwicklung sagen, da primär politische Taten zurzeit marktrelevant sind.

Auch wenn eine alte Börsenweisheit sagt, dass „politische Börsen kurze Beine“ haben, sorgt dies dennoch kurzfristig für Frustration unter Anlegern. Trotz der bestehenden Unsicherheit wird seitens der Analysten für 2025 eine Gewinnsteigerung der Unternehmen von etwa zehn Prozent angenommen, was zumindest unterstützend für die Aktienmärkte wirken sollte. Ebenso gilt der verbreitete Pessimismus vieler Kleinanleger in den Vereinigten Staaten als durchaus positiver Kontra-Indikator.

Mehr als 60 Prozent der Privatanleger gehen gemäß neuester Untersuchung der American Association of Individual Investors in den kommenden sechs Monaten von fallenden Kursen aus, was in der Vergangenheit stets ein gutes Zeichen für einen Marktumschwung ist. Je negativer die Stimmung, umso besser hat sich danach das Kurspotenzial für anti-zyklische Investoren dargestellt.

Goldpreis über 3.100 US-Dollar

Das Edelmetall bleibt der unangefochtene Profiteur in der allgemein angespannten Marktsituation, in der private und institutionelle Anleger im großen Stil in Gold als „sicheren Hafen“ umschichten, was den Kurs von einem Höchst-Stand zum nächsten gehievt hat. Sämtliche Kursprognosen vom Jahresanfang sind daher bereits im ersten Quartal erreicht oder sogar übertroffen worden.

Mit der Marke von 3.000 US-Dollar wurde zudem vor allem eine psychologische Barriere überschritten, was den Weg für weitere Avancen öffnet. Der Kursanstieg beträgt seit Jänner mehr als 19 Prozent auf Dollar-Basis, weshalb eine strategische Positionierung in Gold durchaus einen erheblichen Anteil der Kursverluste auf der Aktienseite kompensieren konnte.

Aktienmärkte im März 2025
Durch die Umschichtungen von Growth- und Tech-Aktien in weniger teure Aktiensegmente fiel folglich der Kursrückgang im NASDAQ bzw. S&P 500 am stärksten aus.

US-Substanzwerte und europäische Titel generell waren weniger von Gewinnmitnahmen geprägt.

Nachteilig für EUR-Investoren war zudem die schnelle Dollar-Abwertung im Ausmaß von etwa vier Prozent, was den Verlust bei amerikanischen Valoren entsprechend vergrößerte.

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