Europas Zugeständnis, Amerikas Triumph – was Anleger jetzt wissen müssen

  • Drohender Zoll-Streit der EU mit den Vereinigten Staaten beigelegt
  • US-Berichts-Saison liefert positive Gewinnüberraschungen
  • Leitzinsen in den USA und Europäischer Union unverändert

Der Monat Juli stand schwerpunktmäßig im Zeichen einer möglichen Verschärfung des Zoll-Konflikts zwischen der Europäischen Union und den USA, der sich unter Umständen zu einem regelrechten „Handelskrieg“ hätte entwickeln können und so für Unruhe an den Börsen gesorgt hat. Kurz vor Monatsende wurde dann aber nach langwierigen Verhandlungen ein erhofftes Handelsabkommen verkündet, mit dem europäische Unternehmen zumindest weitgehende Planungssicherheit für Exporte in die USA gewinnen, auch wenn sich dadurch die Einfuhrpreise signifikant erhöhen.

Ab August werden nun fast alle Waren, die in die Staaten geliefert werden, mit 15 Prozent Einfuhrzoll belegt. Ausnahmen bilden Stahl und Aluminium mit einem Zoll-Aufschlag von 50 Prozent und jene Produkte, für die im gegenseitigen Interesse gar keine Zölle anfallen. In Anbetracht der Tatsache, dass amerikanische Waren im Gegenzug zollfrei bleiben, kann dieses Abkommen somit als Einlenken der EU gegenüber den Vereinigten Staaten gewertet werden, um eine unerwünschte Eskalation zu verhindern.  

Unter Einbeziehung der noch zusätzlich vereinbarten Energie-Einkäufe im Wert von 750 Milliarden US-Dollar und sonstigen Investitionen in den USA in kolportierter Höhe von 600 Milliarden ist dies durchaus als „Triumph“ für den US-Präsidenten zu sehen, der damit die Steuereinnahmen in den kommenden Jahren massiv erhöhen wird. Inwieweit sich die steigenden Import-Preise auf die künftige US-Inflation auswirken, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt schwer prognostizieren, weil vieles davon abhängt, ob die Zölle von den Produzenten bzw. Lieferanten geschluckt oder an die Konsumenten weiterverrechnet werden.  

Aktuell liegt die Teuerungsrate in der größten Volkswirtschaft für Juni bei 2,7 Prozent, was zum Vormonat einen Anstieg um 30 Basispunkte darstellt. Daher ist es speziell im Hinblick auf die neuen Zölle nur verständlich, warum die Federal Reserve in ihrer letzten Sitzung am 30. Juli keine weitere Zinssenkung, so wie von Donald Trump gefordert, vorgenommen hat.

Zu groß ist derzeit die Unsicherheit, wie sich die Zoll-Politik des „Weißen Hauses“ insgesamt in den kommenden Quartalen auswirken wird. Unterstellt man nur einen leichten, zollbedingten Anstieg der Inflation auf mehr als drei Prozent, würde dadurch das angestrebte Ziel der US-Notenbank von zwei Prozent in „weite Ferne“ rücken.
 

Positiver Auftakt der amerikanischen Berichts-Saison  

Die seit Juli laufende Berichterstattung der US-Unternehmen liefert ein in Summe erfreuliches Bild mit klarer Tendenz zu steigenden Gewinnen. Die Branche mit den besten Zuwächsen ist erwartungsgemäß Technologie. Zusammen mit dem Finanzsektor zählt sie im zweiten Quartal zu den zentralen Treibern des Gewinnanstiegs des Gesamtmarktes.

Die hohe Profitabilität der US-Gesellschaften zeigt sich insbesondere am erwarteten Gewinn-Plus für das Kalenderjahr 2025, das sich gemäß Analysten-Schätzungen auf rund 16 Prozent belaufen dürfte. Vor allem im direkten Vergleich zu europäischen Aktien zeigt sich wieder einmal die dominante Eigenkapital-Rendite der amerikanischen Titel, die mit 20 Prozent fast doppelt so hoch liegt, wie jene aus Europa, was auch die höhere Bewertung amerikanischer Werte rechtfertigt.

Unterstützung erhalten vor allem global agierende US-Firmen durch die heuer erfolgte Abwertung der US-Valuta, was die Gewinne über entsprechende Export-Ausweitungen verbessert. Unter diesen Vorzeichen ist auch das Erreichen neuer Allzeit-Hochs im S&P 500 und der NASDAQ im Laufe des vergangenen Monats verständlich.

Aktienmärkte im Juli 2025
Mit dem Wiedererstarken des Interesses vieler Investoren an US-Titel konnte sich der Aufholprozess der amerikanischen Börsen zu europäischen Valoren fortsetzen.

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